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Eine Stellungnahme zur "fondstelegramm"-Analyse

zur Schiffsbeteiligung MT "BALTIC WAVE" / MT "BALTIC WIND"


Bereits in der Vergangenheit hat sich der anerkannte Immobilienexperte und Journalist Stefan Loipfinger, Rosenheim, dadurch hervorgetan, dass er Beurteilungen zu ihm artfremden Fondsgestaltungen im Bereich der Schifffahrt abgegeben hat, die die verschiedensten Kenner aus dem Bereich der Schifffahrt schlicht in ungläubiges Staunen versetzten. Selbst in jüngster Zeit kam der kaum zu toppende Hinweis auf die Verdreifachung der Preise eines Containerschiffes der 2.500-TEU-Klasse Im Fondstelegram vom 7.6.2005. Auch darüber haben wir kurz berichtet im Zusammenhang mit unserer allgemeinen Kritik an sehr schlechtem Journalismus in Deutschland, soweit es die Kapitalanlagebranche betrifft.

In einer kürzlich veröffentlichten Analyse über das aktuelle Beteiligungsangebot MT "BALTIC WAVE" / MT "BALTIC WIND" der GEBAB, Meerbusch, gibt Herr Loipfinger in seinem "fondstelegramm" vom 29.9.2005 einen mehr als deutlichen Beweis, dass er von Schiffen wenig versteht. In dieser Analyse befinden sich inhaltliche Fehler, gepaart mit Ignoranz des Marktgeschehens (oder vielleicht Unkenntnis?), mit dem Resultat völliger Fehlinterpretationen. Dies soll durch einige Ausführungen belegt werden.

Zitat: " Der Vergleich mit den aktuellen Zeitcharterraten für Einjahresverträge, die zum Zeitpunkt der Prospektausgabe deutlich über USD 20.000,--/Tag lagen, lässt erkennen, dass die übernommenen Charterverträge deutlich unter Marktniveau liegen."

Mal abgesehen davon, dass der erwähnte Charterer Compania Espanola Petroleos SA, Madrid, Spanien, nicht CESPA sondern CEPSA heißt (sicherlich nur ein redaktionelles Versehen), stellt sich die Frage, wie in diesem Zusammenhang die für das Jahr 2006 prospektierte Charterrate für das im Februar charterfrei werdende Schiff MT BALTIC WIND" von rd. USD 21.500,--/Tag zu sehen ist? Derzeit liegen die Markterwartungen für diesen Schiffstyp im Jahr 2006 deutlich über den Prospektannahmen. Belegt wird dies durch Marktanalysen von ACM Tankers, London, die mit Datum 30.9.2005 folgende Werte erwarten:

Schiffstyp 6 Monate 12 Monate 24 Monate 36 Monate 60 Monate
47000 dwt USD 30.000 USD 26.000 USD 23.500 USD 21.500 USD 19.500
35000 dwt USD 29.000 USD 25.000 USD 22.500 USD 20.500 USD 18.500

Schiffe der Klasse 37000 dwt (deadweight tons), zu der MT "BALTIC WAVE" und MT "BALTIC WIND" gehören liegen genau in dieser Bandbreite! Folglich sind die kalkulierten Prospektdaten für MT "BALTIC WIND" bereits jetzt unter den Werten, die für eine aktuelle Zeitcharter für dieses Schiff im zwei- und dreijährigen Bereich erzielt werden. Wie können dann die prospektiert sinkenden Charterraten für MT "BALTIC WIND" als zu hoch interpretiert werden in den Ausführungen zur Prognoseberechnung in der Analyse des "fondstelegramm" ? Dies insbesondere vor dem Hintergrund der obigen Zahlen und der Erwartung seitens der markterfahrenen Poolmanager des auf Medium-Range-Produktentanker spezialisierten NORIENT-Pools, in dem das MT "BALTIC WIND" ab Februar 2006 beschäftigt sein wird.

Vielleicht hätte man sich einfach mal über den Markt informieren sollen!

Zitat: "In Anbetracht der Tatsache, dass die Charterverträge nur noch eine Restlaufzeit von neun bzw. 22 Monaten haben, sind die Schiffe zu teuer."

MT "BALTIC WAVE" verfügt über eine 34-monatige, d.h. eine um ein Jahr längere Charter als in der Analyse dargelegt, während der Chartervertrag bei MT "BALTIC WIND" nur noch bis Februar läuft, also seit Datum der Analyse nur noch 5 Monate.
Dies sind in Bezug auf die Prospektdaten sehr wichtige Basiswerte! Zeigt sich doch deutlich, wie mit den derzeitigen Marktkenntnissen umgegangen wird. Vergleichbare Schiffe werden derzeit zu Preisen von weit über USD 40 Mio. gehandelt, was durch eine ganze Anzahl von getätigten Abschlüssen in der jüngsten Zeit belegt werden kann. Wie können dann Schiffe, die rd. USD 10 Mio. günstiger gekauft wurden als teuer tituliert werden? Dies ergibt sich auch aus dem Wertgutachten zu den beiden Schiffen durch die Schifffahrtssachverständigen Sandomeer, Schulte & Partner (Gutachten liegt uns vor)!

Zitat: "Anleger müssen weiterhin an boomende Märkte glauben"

Mit der eingehenden Analyse verschiedener Gutachten zur Marktentwicklung in diesem Schiffssegment hätte sich diese Überschrift von selbst erledigt. Es gibt Erhebungen namhafter Institute, allen voran Drewry Consultants, die diesem Schiffstyp eine sehr aussichtsreiche Zukunft bescheinigen. Nicht nur die Tatsache, dass bis 2009 keine nennenswerten Neubauaktivitäten in dem Segment entfaltet werden, weil keine Bauplatzkapazitäten zur Verfügung stehen, sondern auch eine starke Abwracktätigkeit ab 2007 bescheren diesem Schiffstyp eine sichere Zukunft. insbesondere vor dem Hintergrund der extremen Unterversorgung mit Ölprodukten in den USA, bei steigendem Bedarf.


Natürlich muss sich ein Spezialist für Immobilienfonds in einer Phase der verbrannten Erde (IBV, FALK, Investor Treuhand um nur einige zu nennen) anderen Bereichen zuwenden, um Geld zu verdienen, aber es wäre wünschenswert, wenn dies nicht gerade die Schifffahrt wäre. In der Analyse über das GEBAB-Angebot muss Herr Loipfinger wohl eine spezielle Rosenheimer Vektorenrechnung angewendet haben, um das Angebot in Grund und Boden zu rechnen, die kein Insider, der sich mit dem Angebot befasst hat, nachvollziehen kann.

FAZIT: Das schlimme ist nur, dass der unkundige aber interessierte Leser solcher Ausführungen an den Wahrheitsgehalt der Veröffentlichung glaubt. In Anlehnung an unser Wilhelm Busch-Zitat in 2002 (s.o. erster Link) könnte man die Einleitung von Wilhelm Busch zum "Heiligen Antonius von Padua" abwandeln in:

"Ein Irrtum, welcher sehr verbreitet

und manchen Leser irreleitet

ist der, dass Journalismus eine Sache,

die immer stets viel Klarheit schaffe !"

Wer das Thema Schiffsbeteiligung nicht versteht, sollte nicht darüber schreiben.

 

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