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Die ausführliche Kapitalanlage Meldung

Der Container-Boom

Warum die Reederei immer mehr Schiffe benötigt und der Hamburger Hafen zu klein wird. Interview mit dem Vorstandschef Bernd Wrede.
(Hamburger Abendblatt vom 10.9.2001)

ABENDBLATT: Die US-Wirtschaft verliert an Schwung. Steht deshalb ein Rückgang bei den Containertransporten bevor?

WREDE: Die amerikanische Wirtschaft ist über zehn Jahre hinweg überdurchschnittlich gewachsen und die Amerikaner waren Weltmeister im Einkaufen, vor allem beim Import aus Asien. In der Tat passen sich die USA jetzt rasch der neuen Situation an. Das macht sich auch im Containertransport bemerkbar. Der Welthandel wird statt wie zuletzt um sechs, nur noch um zwei Prozent wachsen. Das Wachstum wird sich also deutlich abflachen. Aber solche Phasen hat es in den vergangenen Jahrzehnten in der Schifffahrt immer wieder gegeben. Ich möchte hier nur an die Asienkrise 1997/1998 erinnern.

ABENDBLATT: Wie lange wird die Schwäche in den USA anhalten?

WREDE: Nicht sehr lange. Bereits im Laufe des kommenden Jahres könnte die Konjunktur wieder anziehen. Die Zeiten, in denen sich die Zyklen über mehrere Jahre erstreckten, sind vorbei.

ABENDBLATT: Die Containerschifffahrt boomt also weiter?

WREDE: Wir spüren den Abschwung schon. Allerdings macht sich positiv bemerkbar, dass immer mehr Waren in Container geladen und nicht mehr konventionell verschifft werden und dass zudem die globale Arbeitsteilung zu zusätzlichen Transporten führt. Hapag-Lloyd hat 18 bis 20 starke Monate hinter sich. Das gilt für die Mengen und teilweise auch für die Preise im Seetransport. Für 2001 erwarten wir einen Zuwachs um acht Prozent auf mehr als 1,7 Millionen Standardcontainer (TEU). Bis Ende Juli ist der Gewinn in der Linienschifffahrt gegenüber dem erfreulichen Vorjahr noch gewachsen. Die Gewinnkurve wird sich jedoch abflachen. Hapag-Lloyd nimmt nach unseren Informationen bei der Umsatzrendite im Vergleich mit unseren internationalen Wettbewerbern eine führende Position ein. Wir sind also nicht unzufrieden.

ABENDBLATT: War es richtig, jetzt über den Flottenausbau um acht auf 37 Frachter bis 2004 zu entscheiden?

WREDE: Unsere Kapazitätsüberlegungen orientieren sich nicht an kurzfristigen Marktschwankungen. Wir wollen auch zukünftig mindestens so stark wie der Markt wachsen. Und das hat eben auch Konsequenzen für die Flotte. Im November kommt der erste von vier im März 2000 bestellten Neubauten mit je 7500 TEU, die zu den weltgrößten Schiffen zählen. Bereits heute ist absehbar, dass diese vier Schiffe von 2004 an ausgelastet sein werden. Deshalb sind weitere vier Einheiten mit je 6750 TEU langfristig gechartert, die zur Jahreswende 2003/2004 abgeliefert werden. Dann wird Hapag-Lloyd statt zuletzt 1,6 deutlich über zwei Millionen TEU transportieren. Der Containertransport wird weiter wachsen, weil es für ihn im Gegensatz zu manchen Konsumgütern keine Alternative gibt.

ABENDBLATT: Kommt der für 2010 geplante Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven für das vorausgesagte Wachstum im Containertransport noch rechtzeitig?

WREDE: Der Containerverkehr wächst überdurchschnittlich. Deshalb werden wohl bis 2010 die Umschlagkapazitäten sowohl in Hamburg als auch in Bremerhaven erschöpft sein. Zusätzliche Kapazität ist also notwendig. Ein solcher Hafenneubau sollte für größere Tiefgänge ausgelegt sein. Die Fertigstellung im Jahr 2010 kann eine gute Ergänzung zu den Hafenentwicklungen in Hamburg und Bremen sein.

ABENDBLATT: Was muss in Hamburg und Bremen geschehen?

WREDE: In beiden Fällen ist eine Vertiefung der Zufahrten für die Schifffahrt notwendig. Einfach um die Standorte und die Kapazitäten abzusichern. Es muss noch einmal gebaggert werden. Jeder halbe Meter mehr Tiefe hilft.

ABENDBLATT: Stichwort Arbeitsplätze auf See. Deutsche Offiziere sind wieder gesucht. Kann Hapag-Lloyd seine neuen Schiffe mit deutscher Führung besetzen?

WREDE: Am stärksten sind die Unternehmen in Bedrängnis, die bisher keinen Beitrag zur Ausbildung von Seeleuten geleistet haben. Wir bilden seit mehr als 100 Jahren aus. Und 2002 werden wir die Zahl der Plätze für angehende Schiffsbetriebsoffiziere verdoppeln. Die Absolventen erhalten sichere Jobs. Wir brauchen sie, weil wir weiter wachsen wollen, und haben keine Probleme, die Plätze zu besetzen.

ABENDBLATT: Bei Hapag-Lloyd besteht die Chance, einen Kreuzfahrer zu führen. Wie weit sind die Pläne für ein neues Schiff?

WREDE: Wir denken über einen Expeditionskreuzfahrer nach. Weil das Interesse an aktivem Urlaub, am Erlebnis Natur, zum Beispiel in der Arktis, der Nord-West-Passage, der Antarktis oder auf dem Amazonas, zunimmt. Voraussetzung für ein neues Schiff ist, dass es sich rechnet.

 

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