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Die ausführliche Kapitalanlage Meldung

Blinder Eifer schadet nur!

Kommentar zu schlechter Pressearbeit!

Es ist noch gar nicht lange her, als an gleicher Stelle zur Funktionsweise des Wechselmechanismus Schiffsmärkte und Journalismus geschrieben wurde. Die dortigen Ausführungen endeten mit der Fragestellung, ob wir solche Art des Journalismus überhaupt brauchen. Damaliges Fazit: Nein! Kaum gehört das Juliheft dem Gestern an erleben wir einen erneuten journalistischen Angriff auf den Markt, wie er schlimmer nicht sein kann. Doch viel problematischer ist die Verunsicherung und Verwirrung der Leserschaft eines solchen Artikels, denn falsche und schlecht recherchierte Informationen nutzen Niemandem, sie schaden eher!

Welche Erwartungshaltung und Anforderung hat der Leser in Bezug auf den Journalismus? Doch wohl sicherlich den der fundierten Berichterstattung, soll heißen die Ermittlung und Verknüpfung von abgestimmten Fakten zu einem ganzheitlich objektiven Bericht und nicht das Zusammenschreiben von ungeprüften Fakten zu einem Bericht, der vor Fehlern strotzt.

Anlaß zu dieser Kritik ist ein Artikel von Herrn Wolfgang Ludwig in der Zeitschrift Capital Nr. 18/2005 vom 18.8. – 31.8.2005. Die Überschrift: "Optimisten auf hoher See" lässt schon erahnen, dass nach einer längeren Phase der schmuseweichen Berichterstattung über die positiven Seiten der Schifffahrtsmärkte endlich eine Änderung der Meinung kommen muß, weil mit positiver "Schreibe" kein Geld mehr zu verdienen ist. Insoweit kann man Verständnis für den Autor des Artikels haben, schließlich lebt jeder vom Geldverdienen.

Leider findet sich der erste, noch nicht so gravierende Fehler bereits in der Unterzeile der Überschrift: "Der Markt für Schiffsbeteiligungen boomt. Charterraten und Preise erreichen Rekordhöhen. Doch viele der neuen Steuersparfonds sind überteuert und bergen Risiken". Der geneigte Leser sollte spätestens an dieser Stelle zusammenzucken und sich fragen: Wieso neue Steuersparfonds? Sind nicht die Steuersparfonds gerade abgeschafft worden? Natürlich sind diese speziellen Fondskonstruktionen, die besonders den sogenannten Besserverdienenden über Jahre enorme Vorteile bescherten, in einem langwierigen Prozeß von der Regierung abgeschafft worden und der Terminus Steuersparfonds ist erfolgreich aus dem Sprachschatz der Anlageszene verbannt worden. Was also sind die "neuen Steuersparfonds"? Die Antwort bleibt der Verfasser des Artikels leider schuldig, zumal er etwas anderes meint, es aber nicht zum Ausdruck bringt. Doch damit nicht genug, denn nur ein Stück weiter werden wir darüber belehrt, dass im Zusammenhang mit sogenannten Kombimodellen beim Verkauf des Schiffes die Abschreibungen zumindest teilweise nachversteuert werden.

Seit Einführung der Tonnagesteuer sind die gesetzlich festgeschriebenen Regularien im Zusammenhang mit dem Wechsel von der normalen Gewinnermittlung zur Tonnagebesteuerung festgeschrieben Bei diesem Wechsel müssen die vorhandenen stillen Reserven des Schiffes im Zeitpunkt des Wechsels in eine steuerneutrale Rücklage eingestellt werden. Diese Rücklage (auch Übergangsgewinn oder Unterschiedsbetrag genannt) ist im Falle des Verkaufs des Schiffes aufzulösen. Der auf den einzelnen Anleger entfallende Anteil an dieser Rücklage unterliegt dem persönlichen Einkommensteuersatz des Anlegers. In der Praxis errechnet sich dieser Wert als Differenz zwischen dem Buchwert des Schiffes im Zeitpunkt der Option zur Tonnagesteuer und dem einvernehmlich mit dem Finanzamt festgestellten tatsächlichen Wert des Schiffes. Der Wert hat in der Praxis aber mit der Abschreibung auf das Schiff wenig zu tun!

Für zusätzliche Verwirrung sorgt der Hinweis auf die Verlustzuweisungen und die Verrechnungsmöglichkeit mit anderen Einkünften. Haben wir nicht gerade erfahren, daß nur noch einige wenige "Unverbesserliche" Kombimodelle mit Verlustzuweisungen auf den Markt bringen?

Danach geht der eigentliche Reigen der Fehler erst richtig los. Der Autor zitiert den Journalisten Jürgen Dobert mit den Worten: "Günstige Einstiegspreise gibt es nicht mehr". Eine interessante These, aber wahrscheinlich ungeprüft übernommen vom Autor. Woher Herr Dobert seine Weisheit bezieht mag dahingestellt sein, Tatsache ist, dass in diesen Tagen einige bemerkenswert günstig eingekaufte Schiffsbeteiligungen in die Platzierung kommen, die jedem historischen Vergleich standhalten und bei denen die Anleger auf ihre Kosten kommen werden.

Auch der anerkannte Immobilienfondsexperte Stefan Loipfinger wird vom Autor zitiert mit der Aussage, dass das Beteiligungsangebot MS "ISABELLE SCHULTE" des Initiators Atlantic fast das "Dreifache" eines vergleichbaren Containerschiffs vor vier Jahren kostet. Diese Aussage lässt aufhorchen, kommt sie doch aus berufenem Munde und ist auch genauso zu lesen im "Fondstelegramm" des Herrn Loipfinger.

Spätestens an dieser Stelle zweifelt der Leser des Artikels wegen der Verdreifachung der Anschaffungskosten eines Schiffes in nur drei bis vier Jahren am Markt und ein verständlicher Argwohn kommt auf. Dieser ist aber auch gerechtfertigt, weil das Gelesene schlicht falsch und absolut irreführend ist! Dies soll eine einfache Beispielrechnung verdeutlichen.

Bei dem zitierten Schiff handelt es sich um ein Vollcontainerschiff der 2500-TEU-Klasse mit einem Kaufpreis von 35 Mio. EURO, dies entspricht bei einer aktuellen Kursannahme von 1,22 USD/EURO einem USD-Wert von 42,7 Mio. Die Entwicklung der Baupreise für Containerschiffe der Klasse bis 2750-TEU gibt Clarkson Reseach und das ISL im Jahr 2001 mit USD 31 Mio. und in 2002 mit USD 29,5 Mio. an. In diese Betrachtungen ist der jeweils geltende EURO-Kurs, hier als Jahresdurchschnittskurs, einzubeziehen. Im Jahr 2001 lag der Durchschnittskurs bei USD 0,8956/EURO und im Jahr 2002 bei USD 0,9458/ EURO.

Bezogen auf die zuvor genannten Basiszahlen für die Entwicklung der Baupreise in USD ergibt sich für das Jahr 2001 ein Baupreis in EURO von 34,6 Mio. und im Jahr 2002 von EURO 31,2 Mio. umgerechnet auf der Basis der jeweiligen Durchschnittskurse. Da sich die Beteiligungsgesellschaften mit den Prospektzahlen und dem Kommanditkapital üblicherweise im EURO bewegen, können auch nur diese Werte zum Vergleich relevant sein. D.h. selbst wenn das Jahr 2002, als die Baukosten einen sehr niedrigen Stand hatten, eine Basisgröße sein soll, dann ist in diesem konkreten Fall lediglich eine Steigerung von rd. 12% der Baupreise zu verzeichnen, aber keine Verdreifachung!

Selbst auf der reinen Dollarbasis von USD 31 Mio. in 2001 zu aktuell USD 42,7 Mio. ist nur eine Steigerung um gut ein Drittel zu verzeichnen und nicht das Dreifache! Aber ausgehend von den Loipfinger-Aussagen müsste man folgerichtig ohnehin eine Drittelung des aktuellen Kaufpreises von EURO 35 Mio. vornehmen und käme zu einem Wert von rd. EURO 11,7 Mio. Unter Zugrundelegung der damaligen Währungskurse ergäbe dies einen Baupreis von USD 10,7 Mio. und dafür gab es 2001 nicht einmal ein Schiff der 750-TEU-Klasse. Ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass Herr Loipfinger ein absoluter Spezialist für den Bereich Immobilienfonds ist.

Aber auch damit noch nicht genug! Das Schiffshandelshaus Howe Robinson wird mit der Aussage zitiert, dass für 2006 ein Ratenrückgang von 30% erwartet wird. Diese Aussage konnte bislang so nicht bei Howe Robinson nachvollzogen werden, aber selbst wenn stellt sich doch die Frage: 30 % wovon eigentlich? Vom heutigen Niveau? Geht man von der Überlegung aus, dass ein Schiff wie die "Isabelle Schulte" aktuell eine Charter von ca. USD 28000/Tag erzielt, so bedeutet ein Rückgang um 30% eine Reduzierung auf USD 19600/Tag. Der Durchschnittswert im 10-Jahresbereich für diesen Schiffstyp liegt bereinigt um die beiden ertragstarken Jahre 2003 und 2004 bei rd. USD 19000/Tag (ISL-Studie April 2005)

Mit der Herleitung dieser Werte erspart sich eine Kommentierung der Ausführungen des Autors zum Thema Ertragskalkulation, weil sämtliche im Containerbereich von ihm aufgeführten Beispiele mit den kalkulierten Anschlusschartern genau in die Bandbreite des 10-Jahredurchschnitts passen. Außerdem müssen für Prognoserechnungen Annahmen getroffen werden, warum nicht dann solche, die sich ertragsbereinigt an den Erfahrungswerten der Vergangenheit orientieren?

Was der Autor mit dem Artikel eigentlich sagen wollte, mag dem Schiffsfonds/Schiffsbeteiligungs erfahrenen Leser des Artikels vielleicht verständlich geworden sein, aber eben nur diesem. Der weniger erfahrene Leser hat diesen Artikel sicherlich nicht so verstanden und das erzeugt nicht nur einen faden Beigeschmack, sondern schadet zudem noch der Schiffsbranche.

Eigentlich sollte man von renommierten Fachmagazinen (zu denen "Capital" zweifelsfrei gehört) erwarten können, daß sie sich ihrer verantwortungsvollen Aufgabe bewußt sein sollten insbesondere in Bezug auf die Auswirkungen ihrer Berichterstattung auf die Leserschaft! Aber die Praxis beweist leider das Gegenteil. Diese Art von Journalismus verkommt durch schlechte Recherche und Aufklärung leider allzu leicht zur Journaille, schade!

 

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