Die nächste Steuerbombe
droht
Wenn die Finanzverwaltung
die Frist für Liebhaberei bei geschlossenen Fonds von bisher
100 auf 30 Jahre senkt, sind Milliarden von Euro im Feuer, so Fondsanalyst
Stefan Loipfinger in einer aktuellen Mitteilung. Anleger, die innerhalb
dieser Frist nur Verluste statt zu versteuernder Einnahmen erzielen,
gelten für den Fiskus als Liebhaber und dürfen die Verluste
nicht mehr in ihrer Steuererklärung absetzen. Loipfinger: „Die
Konsequenzen wären für die Anleger dramatisch.“
Denn alle bisher erhaltenen Steuererstattungen müssten an das
Finanzamt zurückbezahlt werden. Für viele Anleger wäre
das der persönliche Ruin, so der Fondsanalyst.
Der Hintergrund: Seit über
zehn Jahren rechnen die Initiatoren geschlossener Fonds mit einer
so genannten Überschussperiode von 100 Jahren. Doch die Finanzverwaltung
ist auf Steuerjagd und orientiert sich nun an einem Schreiben des
Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom November 2003 zu Ferienwohnungen.
Dort wird die Frist, nach der Liebhaberei angenommen wird, auf 30
Jahre festgelegt. Loipfinger: „Gerade bei stark fremdfinanzierten
Sonderabschreibungsfonds der 90er-Jahre ist der Totalüberschuss
oft nicht in dieser Zeit darstellbar.“ Vor allem Angebote
aus dem sozialen oder geförderten Wohnungsbau müssten
über 40 oder 50 Jahre rechnen, um auf einen Überschuss
zu kommen.
Noch sind die Änderungen
jedoch nicht in trockenen Tüchern: Angeblich solle bis Ende
Juni ein BMF-Schreiben zu diesem Thema veröffentlicht werden,
so Loipfinger. „Ob das aber bis dahin kommt, und vor allem
wie es im Detail ausfällt, ist noch unklar.“ Unter anderem
sei noch nicht sicher, für welche Fonds oder Investitionen
diese neue Regel greife. Fest steht dagegen: „Durch eine solche
rabiate Vorgehensweise könnten dem ständig klammen Finanzminister
Hans Eichel mehrere Milliarden Euro Einkommensteuer-Nachzahlungen
zufließen“, so Loipfinger. Sollte diese Steuerbombe
platzen, werde das ohnehin schon stark angeschlagene Vertrauen in
den Rechtsstaat Deutschland nur weiter untergraben.
( Für Sie gelesen im Newsletter von DER FONDS, vom 16.6.2004,
www.derfonds.com )
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