Eichels Steuergeständnis
Im Fernsehen verriet
der Finanzminister,
was er vor der Wahl verschwieg.
(ex: Hamburger Abendblatt vom 18.10.2002)
Den nachfolgenden Text haben wir aus dem Hamburger
Abendblatt. Da er sehr ergänzend ist zu unserer NEWS vom Vortag,
geben wir den Text originalgetreu wieder!
Berlin - Anfang der Woche kam innerhalb der rot-grünen
Koalition die Frage nach der Veröffentlichung der so genannten"Giftliste"
auf. Sollte man dem Volk in Sachen Sparpaket die ganze Bescherung
auf einmal auf den Tisch legen oder sollte zur Dämpfung des
Unmuts der Betroffenen ein Teil vielleicht zunächst verdeckt
bleiben?
Man entschied sich für die erste Variante.
Doch diese Linie eines Pakets schlechter Nachrichten, mit der Kanzler
Gerhard Schröder (SPD) und sein neues Kabinett möglichst
schnell wieder aus der Schusslinie gebracht werden soll, wurde nicht
ganz eingehalten. Ausgerechnet Finanzminister Hans Eichel (SPD)
wartete noch bis zum Mittwoch, dem Tag der Unterschrift unter den
Koalitionsvertrag, bis er in einem n-tv-Interview die forsch fragende
Sandra Maischberger in höchstes Erstaunen versetzte.
Er habe jetzt die Steuerdaten für den Monat
September auf dem Tisch. "Und damit ist auch klar, dass wir
dieses Jahr ein ganz deutliches Loch haben", sagt der Finanzminister.
Die Lippen werden schmaler, die Augen traurig. "Wie bitte?",
fragt Maischberger ungläubig. Ja, sagt Eichel, der nach Brüssel
gemeldete neue Defizitanteil an der Wirtschaftsleistung von 2,9
(zuvor: 2,5) Prozent "wird wahrscheinlich nicht zu halten sein",
umschreibt er die in Brüssel sakrosankt behandelte Drei-Prozent-Grenze.
Eichel greift unsicher zum Wasserglas. Mit ungläubigem Blick
fragt Maischberger, was der Minister vor der gesamten Presse nicht
zu offenbaren vermag. Warum er erst nach der Wahl sage, dass die
Finanzlage so prekär sei, und warum die Mehrwertsteuer entgegen
allen Ankündigungen doch erhöht werde.
Wer Irrtumsbekenntnisse des Ministers erwartet
hat, wird enttäuscht. Noch bis Juli hätten die Forschungsinstitute
positivere Wachstumsraten genannt. Eine Punktlandung beim Haushalt
werde es 2002 nicht geben, verniedlicht er die von Experten erwartete
Lücke von rund 14 bis 15 Milliarden Euro. "Das weiß
ich schon länger - das habe ich auch immer gesagt . . . "
Doch wem? Selbst die Notwendigkeit eines umfassenden Kürzungspakets
war vor der Wahl auf vielfache Fragen in Abrede gestellt worden.
Wie hart die Faktenforschung bei dem ehemaligen Kasseler Gymnasiallehrer
ist, konnte Maischberger bei der Mehrwertsteuer-Frage erleben.
Auszug: Maischberger (M.): "Sie haben vor
der Wahl gesagt, dass es keine Steuererhöhungen geben wird."
Eichel (E.): "Nein, ich habe gesagt, dass wir Subventionsabbau
machen werden . . . " M.: "Nein, Sie haben gesagt ,Wir
planen keine Mehrwertsteuer-Erhöhungen.'" E.: "Richtig."
M.: "Sie haben die Mehrwertsteuer erhöht." E.: "Nein,
noch mal ( . . . ). Das sind steuerliche Subventionen." M.:
"Das sind Steuererhöhungen." E.: "Moment. Der
Einzelne muss mehr zahlen." . . .
Mitten im Interview hält Maischberger inne:
"Jetzt verstehe ich erst, warum Herr Schröder ganz kurzfristig
zu (Frankreichs Staatspräsidenten Jacques) Chirac gefahren
ist und noch mal über die Aufweichung der (Defizit)-Kriterien
geredet hat . . . ." Eichel versucht gar nicht erst, das Treffen
in einen anderen außenpolitischen Zusammenhang zu bringen.
Um eine Aufweichung gehe es jedoch nicht, korrigiert er. Er bekennt
sich zur neuen von Schröder auferlegten Linie, in der Konjunkturflaute
"nicht mit der Brechstange zu sparen, denn dann richten sie
großen Schaden an".
Dies sei übrigens auch die Haltung der EU-Kommission,
deren Defizitverfahren er ohne eigenen politischen Schaden überstehen
will. Auch wenn die neuen Bundesschulden kurzzeitig etwas erhöht
werden. Ein ihm von Maischberger angebotenes Sparschwein will Eichel
dennoch nicht zerdeppern: "Nein, es wird weiter gespart."
dpa
Warum lassen Sie das eigentlich mit sich
machen? Sind Sie Masochist?
Bei einer Regierung, von der Sie steuerlich immer
mehr belastet werden, ist es Ihr gutes Recht, die nachfolgenden
Links unbedingt zu beachten, weil Sie damit den "Berliner Raubrittern"
ein wenig Einhalt gebieten können.
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