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Die ausführliche Kapitalanlage Meldung

Schiffsbetriebskosten, nicht alle Positionen sind kalkulierbar!

Für Sie geschrieben in der Zeitschrift HANSA September 2006

Wiederholt haben wir in den letzten Jahren auf Dinge hingewiesen, die uns im Markt aufgefallen sind und die uns beschäftigt haben. Zwei Dinge sind uns im bisherigen Verlauf des letzten und auch diesen Jahres aufgefallen, über die wir uns im folgenden Text etwas ausführlicher auslassen möchten. Der Artikel soll keine Panikmache sein und auch nicht so verstanden werden. Trotzdem können Themen, die bisher von untergeordneter Bedeutung waren, zu Problemen werden. Dennoch sind wir davon überzeugt, dass sich die dargestellte Thematik lösen wird!

Nachdem die Berichtssaison bei den Schiffsbeteiligungen beendet ist, Wunden geleckt und Erfolge begossen wurden, kommt die Rückkehr zur Normalität und die heißt: Steigende Kosten! Immer häufiger findet man den Hinweis in den Berichten zum wirtschaftlichen Verlauf der Beteiligungen, dass sich bei den Schiffsbetriebskosten zwei Positionen zunehmend negativ entwickeln. Bei diesen beiden Positionen, die für Gesprächsstoff gesorgt haben, handelt es sich um Kalkulationsgrößen, die in der Zwischenzeit kaum noch kalkulierbar sind! Die Personalkosten und die Kosten für Schmieröl.

Die Personalkosten eines Schiffes werden im Wesentlichen beeinflusst durch die Zusammensetzung der Besatzung. Ein besonderes Problem gibt es bei Schiffen, die unter deutscher Flagge eingesetzt werden, weil in diesen Fällen die deutsche Schiffsbesetzungsordnung gilt. Daraus ergibt sich ein kaum lösbares Problem für die Reedereien, weil zwar nur noch der Kapitän ein deutscher Staatsbürger oder ein deutsch sprechender Europäer sein muss, aber es gibt nicht genügend Kapitäne mit dieser Qualifikation. Ein erbitterter Wettbewerb wird bei der "Jagd" auf solche Kapitäne geführt und das schlägt natürlich auf die Personalkosten durch. Doch nicht nur im Bereich der Schiffsführung ist die Personalfrage akut, auch die Rekrutierung der Besatzungen ist ein generelles Problem geworden. Um heute geschultes Personal für die Schiffsbesatzung zu bekommen, sind die tariflichen Grenzen für die Heuern, wie sie von der internationalen Transportgewerkschaft (ITF) gefordert werden , längst deutlich überschritten worden.

Große namhafte deutsche Reedereien forcieren aus diesem Grund die Ausbildung des nautischen Nachwuchses und bilden verstärkt aus. Dabei wird auch nicht vor den Kosten für einen reedereieigenen Schiffssimulator zurückgeschreckt, eine sicherlich begrüßenswerte Initiative. Leider kommt dies etwas zu spät, weil durch die hohe Zahl von Schiffsneubauten, die zur Ablieferung in den nächsten Jahren anstehen, Probleme in der Personalbeschaffung auftreten. Erste Reedereien denken ernsthaft darüber nach, Schiffe, die erst kürzlich rückgeflaggt wurden, wieder auszuflaggen. Nur durch solche Maßnahmen kann das Personalproblem beseitigt werden.

Sicherlich ist hier auch die Politik gefordert, im Zuge verschiedener Harmonisierungs-maßnahmen eine Möglichkeit zu schaffen um diesem Problem zu begegnen. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Sprache in der internationalen Seeschifffahrt Englisch ist und der deutschen Sprache insoweit eine geringere Bedeutung zukommt. Wer im internationalen Verkehr bestehen will, muss in größeren Strukturen denken können, eine Eigenschaft, die man manchmal in der Politik vermißt! Es wäre schade, wenn die Bestrebungen der maritimen Konferenz und die damit verbundene Stärkung des maritimen Standortes Deutschland dadurch zunichte gemacht werden, dass neue Schiffe mangels Personal nicht besetzt werden können. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Personalfrage in den nächsten Jahren entwickeln wird, aber die Steigerung der Personalkosten stellt ein Problem dar, das in die zukünftigen Kalkulationen der Schiffsgesellschaften mit entsprechender Vorsicht einbezogen werden muss.

 


Zwei Dinge können beim Schmieröl schnell zum Problem werden: Verfügbarkeit und Preis. Beide Faktoren beeinflussen sich natürlich wechselseitig und momentan haben wir in den letzten 1,5 Jahren Preissteigerungen von 200 - 300% erlebt. Die Verfügbarkeit der Schmieröle stellt aber das größte Problem dar.
Im Jahr 2005 hat eine Reihe unglücklicher Umstände dazu geführt, dass die Versorgung mit Schmieröl, insbesondere Zylinderöl mit seinen Additiven, zum Problem wurde. Eine große Fabrik für die Herstellung von Additiven ist ein Opfer der Flammen geworden und hat so eine Krise im Schmierölmarkt ausgelöst, weil nicht genügend Additive verfügbar waren. Die Additive in den Zylinderölen, diese Öle sorgen für ein reibungsloses Laufen der Kolben in den Zylindern, erhöhen die Schmierfähigkeit der Öle und sind dadurch materialschonend und kostensenkend.

Gleichzeitig hat die extreme Hurrican-Saison 2005 in verschiedenen Raffinerien in Louisiana (USA), in denen ebenfalls Additive produziert wurden, so erhebliche Verwüstungen angerichtet, dass nicht mehr produziert werden konnte. Die zerstörten Raffinerien habe Base-Oil produziert, der Grundstoff für Schmieröle. Die Folge war ein deutlicher Preisanstieg bei den Schmierölen und Versorgungsengpässe bei den Lieferanten dieser Öle für die Schifffahrt.

Die Versorgungsengpässe gingen in verschiedenen Fahrtgebieten soweit, dass die Lieferanten teilweise gezwungen waren, Neugeschäft auszuschlagen, weil bereits bestehende Kontraktmengen mit den Abnehmern kaum noch erfüllt werden konnten. Die Knappheit der Schmieröle setzte sich fort bis in den Juli 2006. Ein weiteres Indiz für die Verknappung von Schmieröl ist im Zusammenhang mit der Erstausstattung von Schiffsneubauten mit Schmieröl zu erkennen. War es früher Usus, dass Schiffsneubauten sehr kostengünstig mit der Erstausstattung sämtlicher Schmierstoffe versehen wurden, um darüber feste Kontraktmengen zu vereinbaren, so ist man davon völlig abgewichen und berechnet heute den vollen Preis für die Erstausstattung. Neugeschäft wird auf Grund der Knappheit nur zögerlich angenommen.

Zwar ist an einigen der zerstörten Standorte die Reparaturphase beendet und die Produktion zum Teil wieder aufgenommen worden, aber es wird befürchtet, dass weitere Probleme kommen könnten. Zunächst steht den USA die neue Hurricanesaison bevor und die Vorhersagen sind mehr als düster. Das National Hurricane Center warnt davor, dass die diesjährige Hurricane-Saison aktiver sein wird als der gewöhnliche Durchschnitt eines Jahres. Eine Durchschnittssaison hat 11 namentlich benannte Stürme mit 6 Hurricanes, von denen 2 wirklich schwere Hurricanes sind. Die Vorhersage für 2006 geht von 13 - 16 Stürmen aus, von denen 8 - 10 Hurricanes werden, von denen 4 - 6 in die Kategorie schwere Hurricanes fallen werden. Man gibt sich zuversichtlich, dass der Rekord des letzten Jahres mit 28 namentlich benannten Stürmen, davon 15 Hurricanes, nicht wieder erreicht wird, aber die Furcht vor Zerstörungen in den Raffinerien sitzt seit den Erfahrungen des Jahres 2005 mit Hurricane Kathrina sehr tief. Die Lagerbestände an Additiven konnten zwar geringfügig erhöht werden nachdem die Reparaturen der Vorjahresschäden im April 2006 behoben waren, aber ein größerer Schaden durch Huricanes in diesem Jahr kann zu erheblichen Problemen führen.

Ausser den Naturgewalten, die in der beschriebenen Form den Schmierölmarkt beeinflussen können, kommt der wachsende Bedarf an Schmieröl hinzu, der durch die hohen Bau- und Ablieferungsaktivitäten in den Schiffsmärkten ausgelöst wird. Dies soll an einem einfachen Rechenbeispiel verdeutlicht werden. Sicherlich ist diese Darstellung weit entfernt von jeglicher wissenschaftlichen Darstellung, aber es soll auch nur das Problem verdeutlicht werden.

Die weltweite Containerflotte hatte zu Beginn des Jahres 2006 eine Transportkapazität von ca. 8.340.000 TEU, die durch 3.807 Schiffe gestellt wurde. Dies sind natürlich Schiffe der unterschiedlichsten Bauarten und Größenklassen. Um das Zahlenbeispiel aber einfach zu halten dividiere ich die Anzahl der Container durch die Anzahl der Schiffe und gelange so zu einer Durchschnittsgröße der 3.807 Containerschiffe von 2.190 TEU.

Braemar Container Shipping & Chartering Ltd., London, erwartet für das Jahr 2006 ein Netto- wachstum in der Kapazität der weltweiten Containerschiffsflotte von 15,8%. Bei dieser Zahl sind die Verschrottungen bereits berücksichtigt, so dass ca. 9.660.000 TEU mit insgesamt 4.168 Containerschiffen transportiert werden können. Legt man auch hier wieder den gleichen Berechnungsmodus wie oben zu Grunde, ergibt sich daraus rechnerisch eine Flotte von 4.168 Schiffen mit einer Stellplatzkapazität von 2.317 TEU. Die Erhöhung der durchschnittlichen Stellplatzkapazität ergibt sich aus den sehr großen Schiffseinheiten mit Kapazitäten von 8000 TEU und mehr.

Der Verbrauch an Schmierölen wird beim Zylinderöl nach einer allgemein gültigen Faust- formel berechnet und zwar mit durchschnittlich 0,7 Gramm pro Kilowattstunde. Bei Schiffen, die in der Größe der oben berechneten imaginären Gesamtflotte entsprechen, also einer Klasse zwischen 2.000 TEU und 2.300 TEU wird die Maschine auf ca. 20.000 KW in der Leistung ausgelegt sein. Daraus ergibt sich folgende Berechnung, unter Zugrundelegung von ca. 220 Seetagen, die die Schiffe wirklich auf See in Einsatz sind.

20.000 KW x 0,7 Gramm = 14 kg/h
Dies entspricht einem Verbrauch von 336 kg/Tag
Bei angenommenen 220 Seetagen beträgt der Verbrauch 73,92 Tonnen
Bei einer Flotte von 3.807 Containerschiffen zu Jahresanfang
errechnet sich ein Verbrauch von 281.413 Tonnen Zylinderöl pro Jahr

Bei einer Flotte von 4.168 Containerschiffen am Jahresende 2006 errechnet sich ein Verbrauch von 308.098 Tonnen Zylinderöl pro Jahr. Allein der Flottenzuwachs in der Containerschifffahrt im Jahr 2006 löst einen um rd. 27.000 Tonnen höheren Bedarf am Zylinderölen aus. Dieser Mehrbedarf bezieht sich aber nur auf Containerschiffe! Auch in anderen Bausegmenten wie Tankern und Bulkcarriern ist mit hohen Bedarfssteigerungen zu rechnen, weil auch hier sehr viele Neubauten zur Ablieferung anstehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Raffinerien wenig kommerzielles Interesse an der Produktion von Schmierölen haben. Bei der Raffinierung von Erdöl sind die sog. Basisöle (Base-Oil) die ersten Produkte, die gewonnen werden. Aus diesen Produkten werden die Schmieröle gewonnen, die aber den Raffinerien vergleichsweise den geringsten Ertrag bringen. Erst die weiteren Destillate bringen hohe Gewinnspannen für die Raffinerien, aber vielleicht führt das derzeitige Preisniveau für Schmieröl zu einer Umorientierung bei den Raffinerien und einer damit verbundenen Entspannung des Problems Schmierölversorgung.

FAZIT:

Sicherlich wird man die Probleme der Personalkosten und der Kosten für Schmieröl sehr genau beobachten müssen. Insbesondere sollten Vergleiche zwischen den unterschiedlichen Annahmen der Reedereien bei den Schiffsbetriebskosten gezogen werden, weil Kalkulationen, die zu "dünn" gerechnet wurden, schnell daneben gehen können. Sollten die angesprochenen Probleme nicht in der dargelegten Form beseitigt werden können, dann wird dieser Problemkreis sicherlich bald zu den erwähnenswerten Risiken zählen, die sicherlich auch bei der Prospektierung neuer Emissionen in den Katalog der dargestellten Risiken aufgenommen werden müssen.

 

 

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