Schiffsbeteiligungen
Sommergedanken
( Für Sie geschrieben in der Schifffahrtszeitschrift
HANSA 08/2009) )
Keine Sorge, ich werde jetzt nicht
darüber schreiben, wie ich den Sommer verbringen werde. Ich
schreibe auch nicht über einen Markt, den es momentan nicht
gibt und auch nicht über gute Beteiligungsangebote, die es
zwar gibt, die aber auf Grund der derzeitigen Marktverhältnisse
wie Blei in den Regalen liegen. Für diese guten Sachwerte
ist das sehr schade, für die Anleger ebenfalls, weil sie
im Bereich der Sachwerte in dieser Phase des Marktes echte Chancen
verpassen.
Bei den Sommergedanken geht es vielmehr
darum, den einen oder anderen Marktteilnehmer zu sensibilisieren,
in angemessener Weise mit der derzeitigen Marktsituation umzugehen
und die offene Kommunikation mit den Anlegern zu suchen. Die Anleger
sollten mit Informationen versorgt werden, damit sie in der Lage
sind, sich auf die drohenden schlechten Ereignisse der nächsten
Monate in adäquater Weise vorzubereiten. Durch den Mangel
an Information, fühlen sich uninformierte Anleger von den
Ereignissen überrollt. Deswegen spreche ich diesen Themenbereich
an, da er aus meiner Sicht sehr wichtig ist. Aber auch einige
andere Punkte sind mir im Markt aufgefallen, auf die ich im weiteren
Verlauf eingehen werde.
1. Schweigen ist Silber, Reden ist Gold !
Lautet das Sprichwort nicht anders
herum? Natürlich! Aber manchmal ist auch das Gegenteil extrem
angesagt! Sicherlich ist das Marktumfeld der Schiffsbeteiligungen
momentan sehr angespannt, weil durch die Wirtschaftskrise, die
auch der Schifffahrt eine volle Breitseite verpasst hat, Situationen
eingetreten sind, wie wir Sie in den letzten 20 - 30 Jahren in
der Form noch nicht erlebt haben. Die Flotte der unbeschäftigten
Containerschiffe umfasst mehr als 500 Einheiten und eine größere
Anzahl dieser Schiffe, die in der Vergangenheit in der Form der
KG-Beteiligung auf dem deutschen Kapitalmarkt vertrieben wurden,
ist davon betroffen. In der HANSA 5/2009 habe ich über den
Fall des Containerschiffes MS "CHAMPION" berichtet.
Bei diesem Fall hat sich die Hypo-Vereins-Bank
mit Ihrer Hilfeverweigerung besonders negativ hervorgetan. Ich
vermag diesen Fall insoweit gut zu beurteilen, weil ich an dem
Schiff selbst beteiligt bin. Bemerkenswert ist das Krisenmanagement
des Emissionshauses GEBAB gewesen, weil dieses Problem sofort
mit den Kommanditisten dieser Gesellschaft in einer sehr offenen
Form kommuniziert worden ist, mit der Folge, dass die beteiligten
Anleger - und nicht die Hypo Vereins Bank, die mit diesem fast
entschuldeten Schiff kein Risiko für eine Zwischenfinanzierung
gehabt hätte - ihrer Beteiligungsgesellschaft Gelder zur
Verfügung stellen, um das Schiff liquiditätsmäßig
in eine bessere Marktphase zu begleiten.
Ein weiterer Fall ist in der Zwischenzeit
dank des guten Kommunikationsverhaltens des Emissionshauses in
ähnlicher Weise gelöst worden. Das Emissionshaus König
& Cie hat für sein aufliegendes Containerschiff MS "STADT
HEILBRONN" sofort die offene Kommunikation mit den Anlegern
geführt. Das Ergebnis endete in einer nahezu einstimmigen
Zustimmung aller Gesellschafter, das Schiff vor der Insolvenz
zu retten. Mittlerweile ist dieses Schiff wieder in einer Charter,
die die Schiffsbetriebskosten noch nicht ganz deckt, aber das
Schiff ist in Fahrt und verbleibt dadurch in einem sehr guten
Konservierungszustand. Die Gelder der Anleger werden dazu beitragen,
diese Marktphase zu überstehen. Wen wundert es, dass auch
bei diesem entschuldeten Schiff die vorher finanzierenden Hypo-Vereins-Bank
die dringend benötigte Liquidität versagt hat.
Diese beiden Fälle zeigen,
dass vernünftige Informationen für die Anleger die Bereitschaft
steigern, Geld als Nachschuß in eine gute Beteiligung zu
stecken, die auf Grund widriger Umstände in Bedrängnis
geraten ist. Berechtigte Kritik an dem Verhalten verschiedener
Emissionshäuser hat das Analysehaus FondsMedia in Zusammenhang
mit einer absolut bemerkenswerten und auch lesenswerten Studie
zu Papier gebracht. Der Titel der Studie lautet:
" Informationen für Schiffsinvestoren in Zeiten stürmischer
See". Ich weise deshalb so gezielt auf diese Studie hin,
weil ich sie für existenziell wichtig halte für Vertrieb,
der sich mit der Vermittlung von Schiffsbeteiligungen befasst,
oder befasst hat. Vermittler und Anleger erhalten durch diese
Studie umfassende Informationen, wie mit welchen Schiffstypen
in der Krise umgegangen werden sollte. Das Ziel dieser Studie
ist es, Investoren ein klares Bild über die Hintergründe
für das zeitweise Ausbleiben von Auszahlungen zu vermitteln.
Doch nicht nur das wird vermittelt, vielmehr zeigt die Studie
auf, weshalb es sinnvoll sein kann, einen Nachschuß in die
Gesellschaft zu leisten. An diese Studie gelangt man über
die Internetseite FondsMedia.de.
Nach Jahren eines guten Marktes
vertriebsseitig, stehen wir heute vor dem Problem, dass nunmehr
Erklärungsbedarf darüber besteht, dem Anleger die derzeitige
Marktsituation verständlich zu machen. Das die derzeitige
Situation in der Schifffahrt aus Vernunftsgründen mit Ausschüttungsverzicht
oder sogar Kapitalnachschüssen verbunden sein kann, wird
und wurde den Anlegern bislang nicht vernünftig oder gar
nicht erklärt. Hier besteht ein großes Manko seitens
vieler Emissionshäuser, die scheinbar nicht in der Lage sind,
dies gegenüber Ihren Anlegern vernünftig zu kommunizieren.
Es scheint das Motto vorzuherrschen: "Halten wir mal die
Füße still, denn negative Nachrichten stören ja
den Vertrieb der in der Platzierung befindlichen Fonds!"
Aber untergräbt ein solches Kommunikationsverhalten nicht
jede Art der Glaubwürdigkeit?
Daher mein Appell an die Branche:
Geht mit Informationen offen auf die Anleger zu, sie werden es
danken, wenn sie vernünftig aufgeklärt werden. Die beiden
geschilderten Fälle der GEBAB und von König & Cie.
zeigen dies eindeutig.
2. Die Auswüchse des Zweitmarktes
Bereits im Frühjahr 2007 hatte
ich an dieser Stelle einen Kommentar über die Auswüchse
des Zweitmarktes geschrieben, mit der bezeichnenden Überschrift:
"Unter Geiern". Unter Berücksichtigung der derzeitigen
Marktgegebenheiten kommt dem Thema Zweitmarkt ein besonderer Stellenwert
zu! Momentan findet ein unglaublicher Druck seitens der Zweitmarktaufkäufer
statt. Damit sind nicht die institutionellen Marktteilnehmer gemeint,
sondern die "Leichenpflederer und Geier", die mit den
journalistisch gemalten Horrorszenarien die Ängste der Anleger
ausnutzen um günstig an Beteiligungen zu kommen.
Was besonders auffiel sind die Schreiben
eines Anbieters namens Raila und Partner aus Hamburg. Dieser Anbieter
gibt vor, für einen interessierten Investor zu handeln. Das
mag ja grundsätzlich sein, aber das Angebot verschlägt
einem schon die Sprache! Da heißt es für ein schuldenfreies
Schiff in dem Ankaufsangebot: Wir arbeiten im Auftrag eines Investors,
der bereit ist, Ihre Beteiligung an dem betreffenden Schiff für
EUR 1,00 zu kaufen und Sie dafür von jeglicher Haftung frei
zu halten. (Der Originalbrief liegt mir vor, dies nur zur rechtlichen
Absicherung!)
Das ist schon sehr spannend! Welche
Haftungsrisiken hat eigentlich ein Anleger bei einem total entschuldeten
Schiff? Richtig, überhaupt keine! Viel entscheidender ist
aber die mangelnde Information, dass im Falle des Verkaufs ein
Unterschiedsbetrag von rd. 60 Prozent zu versteuern ist. Fällt
der Anleger einem solchen Aufkäufer zu Opfer, so erhält
er zwar EUR 1,00 für seine Beteiligung, muß aber rd.
60 Prozent seiner Einlagesumme zusätzlich versteuern. Daraus
resultiert für den Anleger, der auf das Angebot dieses Hauses
hereinfällt, eine sehr erhebliche zusätzliche Steuerbelastung.
Das ist im Grenzbereich schon so etwas wie Betrug. Und davon gibt
es mehr im Markt.
Wenn extrem schlecht dargestellte
Markteinschätzungen dazu missbraucht werden, Anleger zu verunsichern
und über den Tisch zu ziehen, stellt sich die Frage, weshalb
möchte der Zweitmarktankäufer einen Schiffsanteil preisgünstig
kaufen? Antwort: Er glaubt an höhere Charterraten und damit
steigende Schiffspreise! Dies sollte einem zu denken geben!
3. Und komm zurück mit beiden Taschen voll
Gold
Diese Textzeile aus dem Song "Haus
am See" von Peter Fox ging mir durch den Kopf, als ich kürzlich
ein Vertriebsrundschreiben eines Hamburger Emissionshauses las.
Es ist schon verblüffend, welche Register gezogen werden,
wenn der Vertrieb schleppend ist und die Sommerpause bevorsteht.
In dem Vertriebsrundschreiben heißt es: "Für Gesamt-Umsätze
ab 100.000 Euro gibt es zusätzlich einen Goldbarren im Wert
von ca. 2.000 Euro pro 100.000 Euro." Wenn ein Goldbarren
lila wäre, würde ich sagen: Lila, der letzte Versuch.
Aber Gold ist halt golden und diejenigen Vertriebe, die nun viele
Zeichnungsscheine mit Umsätzen über EURO 100.000 einsammeln
summen den Song von Peter Fox vor sich hin und denken an die Textzeile:
"Wir grillen, die Mamas kochen und wir saufen Schnaps. Und
feiern eine Woche jede Nacht."
4. Und dann noch das Thema Risiko
Beim Studium verschiedener Geschäftsberichte
für das Jahr 2008 stolperte ich im Anhang zum Konzernabschluss
der HCI Gruppe unter dem Thema Haftungsverhältnisse und sonstige
finanzielle Verpflichtungen auf Seite 114 über folgende Formulierung:
"Im Zusammenhang mit dem Erwerb der der Fondskonzeption und
-struturierung zugrunde liegenden Vermögenswerte durch Objektgesellschaften,
an denen in der Regel die HCI Gruppe und ein Partner gemeinschaftlich
beteiligt sind, hat die HCI Gruppe zur Absicherung der Bauzeitfinanzierungen
Bürgschaften (TEUR 1.480.102, davon valutierend TEUR 941.295,
Anm. d. Verf.) und zur Absicherung der Zwischenfinanzierungen
regelmäßig Platzierungsgarantien (TEUR 639.182, davon
noch nicht in der Einwerbung befindliche Fonds TEUR 248.093, Anm.
d. Verf.) bereitgestellt.
Für den Fall, dass die Investitions- bzw. Bauzeitdarlehen
sowie Zwischenfinanzierungen mit dem Verweis auf schwache Märkte
und ausstehende Eigenkapitaleinwerbungen nicht planmäßig
zurückgeführt werden können, besteht für die
HCI Gruppe insbesondere im Schiffsbereich das Risiko,, dass die
HCI Gruppe aus den Eventualverbindlichkeiten in Anspruch genommen
wird, sofern die Objektgesellschaft keine erweiterte bzw. verlängerte
Finanzierungszusage von den involvierten Banken erhält.
Die derzeitig vorhandene Liquidität der HCI Gruppe würde
bei einer derartigen Inanspruchnahme in nennenswertem Umfang nicht
zur Bedienung ausreichend sein, so dass eine Illiquidität
eintreten würde.
Diesem Risiko begegnet die HCI Gruppe durch intensive Gespräche
mit den finanzierenden Banken, der Analyse und Bewertung potenziell
betroffener Schiffstypen und -bestellungen und der Abstimmung
eines Maßnahmenpakets je einzelnem betroffenem Schiff. Zu
den Maßnahmen, die hier vorgesehen werden können, zählen
insbesondere die Abbestellung von Schiffen, die Verschiebung des
Liefertermins, den Tausch von Schiffen, die Preisnach-verhandlung
von Schiffen, die teilweise Kaufpreisstundung, die Ausarbeitung
neuer Beschäftigungskonzepte sowie vertriebsseitige Anpassungen
bei Margen und Vertriebs-konzepten. Sofern diese Maßnahmen
nicht wirksam sind, ist die HCI Gruppe auf eine entsprechende
Finanzierung durch Banken angewiesen. Die HCI Gruppe hat dementsprechende
Gespräche mit den Banken initiiert, um liquiditätssichernde
Maßnahmen zu vereinbaren." (Ende des Textauszuges)
Persönlich drücke ich
diesem alteingesessenen Emissionshaus die Daumen, dass das alles
klappt, auch wenn mir im Hinterkopf eine Textzeile von Men at
work rumspukt: I´m walking on a high wire.
Unter den vielen Projekten, die die
HCI Gruppe noch vor sich hat, befindet sich auch der Deepsea Oilexplorer,
der in der Zwischenzeit auch in einer so genannten Protect-Variante
angeboten wird. Nach eigenen werblichen Aussagen von HCI ist dieses
Angebot besonders interessant für Anleger, die die Chancen
des Offshore-Marktes mit einer Kapitalgarantie kombinieren möchten.
Diese zusätzliche Garantie über die Rückzahlung
des Eigenkapitals zum 31. Dezember 2024 wird von der HypoVereinsbank
gegeben.
Moment mal, das war doch die Bank,
die schuldenfreien aufliegenden Containerschiffen nicht helfen
wollte, weil die Risiken zu hoch waren. Verstehen kann ich das
nicht so richtig, aber vielleicht ist ja das Risikopotenzial mit
dem Engagement in der Kapitalgarantie erschöpft und deswegen
geht das mit den Schiffen nicht mehr. Vielleicht verstehe ich
das auch einfach deswegen nicht mehr, weil ich mich jetzt lieber
den Sommergedanken widmen möchte und darüber nachdenken
will, wo ich den Sommerurlaub verbringe.
Aktuell empfehlen wir zwei Beteiligungsangebote,
von denen wir überzeugt sind, dass sie
performen werden. Beide Angebote erhielten unserer Analyse das
Werturteil :
"Absolut
empfehlenswert"
GEBAB Ocean Shipping
II, ein Fonds entwickelt sich zum Highlight
Die Produktentanker
MT "KING EMERALD" und MT "KING EDGAR" von
König & Cie. überzeugen!