Finanzamt München bremst Filmfonds aus
Aus der FTD vom 29.3.2004
Das Finanzamt München III hat mit einer Präzedenzentscheidung
das neue Steuersparmodell eines deutschen Medienfonds ausgehebelt.
Frühere Zusagen lauteten anders.
Die Behörde verweigerte der Fondsgesellschaft
Ideenkapital/Mediastream trotz anders lautender früherer Aussagen
sofortige umfangreiche Steuervergünstigungen für ihren
Filmfonds. Die Finanzbeamten in München erkennen nur 10 Prozent
des Aufwands als sofort abzugsfähige Betriebskosten an. Die
mehr als 4600 Anleger, die den 231 Mio. Euro umfassenden Fonds gezeichnet
haben, müssen nun für 2003 mit drastisch geringeren Steuervorteilen
rechnen und den Rest auf zehn Jahre abschreiben.
Ideenkapital kündigte am Freitag die Prüfung
rechtlicher Schritte an. "Dieses unverständliche Vorgehen
zerstört ein innovatives und sinnvolles Anlageprodukt und wird
Anleger sowie das gesamte Segment der Filmfonds massiv verunsichern",
teilte die Fondsgesellschaft mit.
Verschärfte Anforderungen
Der Mediaset-IV-Fonds war eine Reaktion auf die
verschlechterten Steuersparmöglichkeiten deutscher Medienfonds
seit einem Erlass von Bundesfinanzminister Hans Eichel im August
2003. Während Fondssparer zuvor oft 100 Prozent und mehr ihrer
Fondseinlagen steuersparend mit anderen Einkünften verrechnen
durften, ist dies jetzt nur noch möglich, sofern sie auch unternehmerischen
Einfluss auf Filmauswahl, Kostenkalkulation, Drehplan und Finanzierung
nehmen. Entsprechend suchen die in der US-Filmhochburg Hollywood
stark engagierten deutschen Medienfonds, in die Anleger seit 1997
weit mehr als 10 Mrd. Euro investiert haben, nach neuen Konzepten,
den verschärften Anforderungen zu genügen oder diese zu
umgehen.
Ideenkapital hatte geglaubt, mit dem neuen Fonds
fündig geworden sein, der nicht mehr die Filmherstellung, sondern
die immer wichtiger werdende weltweite Vermarktung (Herausbringungskosten)
finanziert. Dem Schob das Finanzamt München nun einen Riegel
vor und entschied, dass sich um Vertriebskosten handelt, die nicht
sofort abzugsfähig sind.
Stefan Loipfinger, Experte für geschlossene
Beteiligungsmodelle, sagte der FTD, Ideenkapital habe mit dem Modell
versucht, den Medienerlass zu unterlaufen."Wer so arbeitet,
der spielt mit dem Feuer." Außerdem habe es Warnungen
gegeben, nach denen diese neue Fondskonstruktion sehr kritisch zu
sehen sei. Michael Oehme, Vorstand des Verbandes Deutscher Medionfonds,
forderte, endlich für Konzeptionsklarheit und Steuersicherheit
zu sorgen. |